Ralf Kaufmann über die Bedeutung von Bewegung im Kontext von Chiropraktik

Sportlicher Neustart unterstützt chiropraktische Behandlung

Für viele Patienten bedeutet der Beginn einer chiropraktischen Behandlung auch sportlich betrachtet ein Umdenken. Entweder, weil sie bislang kaum oder gar keinen Sport getrieben haben, oder weil sie als leidenschaftliche Freizeitsportler z.B. gerne und viel laufen. Klar, dass das nicht immer ganz einfach ist. Schließlich geht es hier ja auch darum, mit Gewohnheiten und Mustern zu brechen. Allerdings ist dieses Umdenken von großer Bedeutung. Denn ich bin davon überzeugt: Ohne individuelle Anpassungen auch im Sport können Justierungen mittel- bis langfristig nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. Um es auf den Punkt zu bringen: In der chiropraktischen Anfangsphase muss ein Patient sein Training meist anpassen bzw. für sich neu etablieren, da diese Zeit im Grunde wie eine Reha-Phase ist.

Hinter dieser auf den ersten Blick doch recht streng wirkenden Ansage steht eine nachvollziehbare Logik-Kette. Denn wenn ich als Patient zum Chiropraktiker gehe, habe ich im Grunde immer eine muskuläre Dysbalance. Diese Annahme hat sich in meinen inzwischen fast 25 Jahren als Chiropraktiker bislang durchweg bestätigt. Bei Patienten arbeiten dann z.B. bestimmte Muskelabschnitte nicht richtig oder einzelne Partien sind nicht mehr ansteuerbar. Daher finde ich es auch so wichtig, in Sachen Sport aufzuklären.

Übersetzt heißt das: Einem Sportmuffel sage ich, dass er sich in Bewegung setzen muss. Denn ohne ein gewisses Maß an sportlicher Betätigung wird er seine gesundheitlichen Ziele allein durch die chiropraktischen Justierungen nicht erreichen können. Genauso wichtig kann es z.B. für einen leidenschaftlichen Freizeitläufer sein, seine Joggingambitionen erst einmal zurückzustellen. Denn häufig ist seine Haltemuskulatur gar nicht in der Lage, eine solche Belastung zu kompensieren, sodass sich Schon- und Fehlhaltungen weiter verfestigen oder sogar verschlimmern können.

Gerade zu Beginn der Behandlung geht es daher vorrangig um das Beheben ungesunder Kompensationsmuster. Für mich als Chiropraktiker bedeutet das dann auch, dass ich ganz genau hinschauen muss, wenn ich einem Patienten Übungen empfehle. Denn natürlich gibt es auch Bewegungsabläufe, die physiologisch für den Einzelnen nicht sinnvoll sind. Wichtig ist bei dieser Neuausrichtung vor allem die Stabilisierung und Kräftigung der Haltemuskulatur u.a. durch individuelle, auf den Bedarf zugeschnittene Übungen. Da macht klassisches Krafttraining aus meiner Erfahrung keinen Sinn. Es braucht vielmehr ein Funktions- bzw. isometrisches Krafttraining. In der Praxis zeige ich meinen Patienten dazu ganz einfache Übungen, z.B. Zehenstand oder Liegestütze an der Wand – natürlich immer angepasst an den jeweiligen Zustand. Auch das sogenannte EMS- (Elektro-Muskel-Stimulanz-) Training ist mitunter gut geeignet, um z.B. zu Behandlungsbeginn die tieferliegende Muskulatur über leichte Elektro-Impulse zu stimulieren und aufzubauen.

Meinen Patienten gebe ich daher zum Behandlungsstart immer mit auf den Weg, dass sie diese Anfangszeit wie eine Art Reha begreifen sollen. Ziel dieser Phase ist es, den eigenen Körper darauf vorzubereiten, die alltäglichen Belastungen wieder zu kompensieren. Das gesamte System soll wieder auf Gesundwerden programmiert werden – und dazu gehört neben gesunden Verhaltensweisen wie Ernährung, Erholung etc. auch das richtige Maß an Bewegung.